Anton Janša und die Ursprünge des Weltbienentags

Ein autodidaktischer Maler aus einem kleinen Dorf in Krain wurde per kaiserlichem Hofdekret zum ersten offiziellen Bienenzucht-Lehrer des gesamten Habsburgerreichs ernannt – heute trägt der Weltbienentag seinen Geburtstag. Anton Janša unterrichtete an der von Kaiserin Maria Theresia gegründeten Wiener Bienenzuchtschule, korrigierte darin systematisch überlieferte Irrtümer über das Verhalten der Bienen, und seine Heimatregion gab später sogar der heute in deutschsprachigen Ländern am weitesten verbreiteten Bienenrasse ihren Namen.

Dieser Beitrag verfolgt Janšas Weg von Krain an den Wiener Kaiserhof, die genauen Umstände seiner Ernennung samt Dekretdatum und offiziellem Namen der Schule, sein postum veröffentlichtes Lehrbuch, seinen frühen Tod, die Verbindung zur Carnica-Biene und die Entstehung des Weltbienentags.

Das Wichtigste in Kürze

  • Anton Janša wurde am 20. Mai 1734 in Breznica in Krain (heute Slowenien) geboren und starb bereits am 13. September 1773 in Wien, im Alter von nur 39 Jahren.
  • Ein kaiserliches Hofdekret vom 7. April 1770 ernannte den “in der Bienenzucht besonders erfahrenen Maler Janscha” zum k.k. Lehrer der Bienenzucht an der neu gegründeten Theresianischen Imkerschule im Wiener Augarten.
  • Sein Lehrbuch “Hinterlassene vollständige Lehre von der Bienenzucht” erschien erst 1775, zwei Jahre nach seinem Tod, herausgegeben von seinem Nachfolger Joseph Münzberg.
  • Seine Heimatregion Krain gab der Carnica-Biene (Apis mellifera carnica) ihren Namen – bis heute die am weitesten verbreitete Bienenrasse in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
  • Die UN-Generalversammlung erklärte seinen Geburtstag, den 20. Mai, im Dezember 2017 offiziell zum Weltbienentag; die erste Feier fand 2018 statt.

Inhaltsverzeichnis

Wer war Anton Janša?

Anton Janša wurde am 20. Mai 1734 im Dorf Breznica in Krain geboren, einer historischen Region, die heute größtenteils zu Slowenien gehört und damals zu den habsburgischen Erbländern zählte. Ursprünglich als Maler ausgebildet, war er zugleich ein autodidaktischer, aber außerordentlich erfahrener Bienenzüchter – eine Kombination aus praktischem Können und geschulter Beobachtungsgabe, die ihn zu einem wirksamen Lehrer machte, statt bloß überliefertes Erfahrungswissen unreflektiert weiterzugeben.

Das Hofdekret von 1770 und die Theresianische Imkerschule

1769 ordnete Kaiserin Maria Theresia die Gründung einer eigenen Bienenzuchtschule an, um die Produktivität der Imkerei im gesamten Reich zu steigern – Wachs war für die Beleuchtung unverzichtbar, Honig einer der wenigen breit verfügbaren Süßstoffe vor der Verbreitung von Rohr- und Rübenzucker. Mit kaiserlichem Hofdekret vom 7. April 1770 wurde daraufhin ausdrücklich “der in der Bienenzucht besonders erfahrene Maler Janscha” zum k.k. Lehrer der Bienenzucht ernannt. Die neu gegründete Schule erhielt den offiziellen Namen Theresianische Imkerschule und wurde im Wiener Augarten angesiedelt, wo Janša auch Zweigschulen in den Kronländern eröffnete. Bemerkenswert ist dabei, wen der Kaiserhof für diese Aufgabe auswählte: nicht einen Gelehrten aus akademischen Zirkeln, sondern einen Praktiker aus einer ländlichen Provinz, dessen Wissen offenbar als dem damaligen Buchwissen überlegen eingeschätzt wurde. Die Schule bestand bis 1781, als sie unter Kaiser Joseph II. aufgelöst wurde.

Sein Lehrbuch und seine empirischen Korrekturen

Statt bestehende Lehrbücher unkritisch zu übernehmen, gründete Janša seinen Unterricht auf eigene, wiederholte Beobachtung des tatsächlichen Verhaltens seiner Völker und korrigierte damit mehrere verbreitete Irrtümer der zeitgenössischen Fachliteratur, etwa zu Paarungsverhalten und Schwarmdynamik. Sein eigentliches Lehrwerk erschien allerdings erst nach seinem Tod: 1775 veröffentlichte sein Nachfolger Joseph Münzberg in Wien die “Hinterlassene vollständige Lehre von der Bienenzucht” – im vollständigen Titel als “Des Anton Janscha sel. sehr erfahrnen Bienenwirthes, und Kaiserl. Königl. Lehrers der Bienenzucht zu Wien hinterlassene vollständige Lehre von der Bienenzucht” firmierend. Das Werk gliedert sich in einen theoretischen Teil über das notwendige Grundwissen zur Biene und einen praktischen Teil zur eigentlichen Bienenpflege nach diesen Prinzipien – eine Struktur, die spätere deutschsprachige Imkerei-Lehrbücher noch lange prägen sollte.

Der Krainer Bauernstock: eine praktische Erfindung

Neben seiner Lehrtätigkeit gilt Janša auch als Erfinder einer bemerkenswerten praktischen Neuerung: des sogenannten Krainer Bauernstocks, den er aus den in seiner Heimat gebräuchlichen liegenden Bienenstöcken weiterentwickelte. Charakteristisch für diesen flachen Kasten war eine abnehmbare Vorderwand, kombiniert mit einem ebenfalls entfernbaren Boden, wodurch der Imker eine genaue Kontrolle des Volkszustands vornehmen konnte, ohne dabei die Waben zu beschädigen – bemerkenswert, da die bewegliche Wabe zu dieser Zeit noch vollkommen unbekannt war und sich diese Kontrollmöglichkeit allein aus der Bauform des Kastens selbst ergab, nicht aus einer Rähmchenkonstruktion. Man gilt Janša damit auch als Vordenker der ersten sogenannten Zargenbetriebsweise, bei der sich die Rückwand verschieben und so an die tatsächliche Volksstärke anpassen ließ. Dieser Gedanke – eine Beute so zu bauen, dass sie sich der Kolonie anpasst, statt die Kolonie in eine starre Form zu zwingen – lebt bis heute in modernen liegenden Beutenkonzepten wie der in Deutschland verbreiteten Bienenkiste fort, die auf ganz ähnlichen Grundprinzipien beruht.

Ein früher Tod

Janša starb bereits am 13. September 1773, nur wenige Jahre nach seiner Berufung nach Wien und im Alter von gerade einmal 39 Jahren – sein Lehrbuch selbst hat er nie mehr veröffentlicht gesehen. Diese kurze Wirkungszeit ehrlich zu benennen ist wichtig: Sein bleibender Ruf beruht auf einem auffallend kurzen Fenster tatsächlicher institutioneller Tätigkeit, was die Beständigkeit seiner Erinnerung – zweieinhalb Jahrhunderte später noch aktiv begangen – zu einem echten Beleg für die Substanz dessen macht, was er in dieser kurzen Zeit tatsächlich lehrte und hinterließ.

Krain und die Carnica-Biene

Ein Zusammenhang, der in den meisten kürzeren Darstellungen von Janšas Leben fehlt, aber für deutschsprachige Imker unmittelbar praktisch relevant ist: Seine Heimatregion Krain gab der Carnica-Biene (Apis mellifera carnica), auch Krainer Biene genannt, ihren Namen – jener Unterart der Westlichen Honigbiene, die heute in Deutschland, Österreich und der Schweiz die mit Abstand am weitesten verbreitete gehaltene Bienenrasse ist, geschätzt für ihre Sanftmut und ihr ausgeprägtes Schwarmverhalten. Es wäre historisch ungenau zu behaupten, Janša habe diese Rasse selbst “erfunden” oder systematisch gezüchtet; korrekt ist vielmehr, dass er als praktizierender Imker seiner Heimatregion mit genau jenen Bienenvölkern arbeitete, die dieser Landschaft später ihren Namen gaben, und dass die dort schon zu seiner Zeit gerühmte Imkertradition mit ein Grund war, weshalb der Wiener Hof sich überhaupt an einen Krainer Praktiker wandte, statt an akademische Kreise der Hauptstadt.

Wie der Weltbienentag tatsächlich entstand

Die Idee zu einem internationalen Tag der Bienen entstand in Slowenien selbst, getragen von slowenischen Imkern und Institutionen, die angesichts des wachsenden wissenschaftlichen Besorgnisses über den Rückgang der Bestäuberpopulationen weltweit auf die Bedeutung von Bienen und Bestäubern aufmerksam machen wollten. Die Wahl des 20. Mai war dabei kein Zufall, sondern ein bewusstes Zitat: Es ist exakt Janšas Geburtstag, eine direkte Hommage an die Gründerfigur der modernen Bienenzucht-Lehre in der Region, aus der die Initiative stammte.

Die Anerkennung durch die UN-Generalversammlung

Die slowenische Initiative mündete am 20. Dezember 2017 in eine offizielle Entscheidung der UN-Generalversammlung, den Weltbienentag einzurichten; die erste tatsächliche Begehung fand im darauffolgenden Jahr, 2018, statt. Diese internationale Anerkennung, im Konsens zwischen den Mitgliedsstaaten erzielt, zeigt, wie eine zunächst lokale Ehrung einer historischen Regionalfigur binnen weniger Jahre eine wirklich globale Reichweite erlangen kann, sobald sie mit einem hinreichend dringlichen weltweiten Anliegen verbunden wird. Der Weltbienentag ist dabei bewusst nicht allein der Honigbiene gewidmet, sondern rahmt sein Anliegen ausdrücklich um Bestäuber im weiteren Sinne als Frage der Ernährungssicherheit und der biologischen Vielfalt.

Der Weltbienentag im deutschsprachigen Raum

Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat sich der Weltbienentag als feste jährliche Gelegenheit für Öffentlichkeitsarbeit etabliert. Der Deutsche Imkerbund e.V. (D.I.B.) ist hierzulande eine treibende Kraft bei der Verbreitung des Tages und nutzt ihn regelmäßig für Pressearbeit und Aktionen, die auf die Bedeutung von Honig- und Wildbienen für Bestäubung und Ökosystem aufmerksam machen sollen. In Österreich koordiniert der Österreichische Imkerbund rund um den 20. Mai eine ganze Reihe von Veranstaltungen und Informationsangeboten in den Bundesländern. Dass ausgerechnet der Geburtstag eines Krainer Bienenzucht-Lehrers aus dem 18. Jahrhundert heute alljährlich von den großen deutschsprachigen Imkerverbänden begangen wird, verdeutlicht, wie sehr sich Janšas ursprünglich regionale Lehrtätigkeit am Wiener Kaiserhof im Rückblick zu einem gesamteuropäischen Bezugspunkt entwickelt hat.

Janšas Erbe in Slowenien heute

Slowenien pflegt bis heute eine im Verhältnis zur Bevölkerungszahl auffallend lebendige nationale Imkerkultur, sichtbar an einer anhaltend hohen Zahl von Hobby- und Berufsimkern und an der aktiven Rolle des Landes bei der weltweiten Förderung des Weltbienentags. Janša wird darin fortlaufend als Gründerfigur der slowenischen Imkerei-Identität referenziert – eine Kontinuität, die viele andere Länder mit vergleichbar alter Bienenzucht-Geschichte in dieser Form nicht aufrechterhalten haben.

Janša im Vergleich zu anderen Bienenkundlern des 18. Jahrhunderts

AspektAnton JanšaFrançois Huber
Lebenszeit1734–17731750–1831
RolleKaiserlicher Bienenzucht-Lehrer am Wiener HofUnabhängiger Forscher, unterstützt durch Ehefrau und Assistenten
KernbeitragEmpirisch korrigierter Unterricht, formale Bienenzucht-AusbildungDetaillierte Beobachtungsforschung trotz Erblindung
Heutiges VermächtnisWeltbienentag (20. Mai, sein Geburtstag)Grundlegende beobachtende Bienenwissenschaft

Häufig gestellte Fragen

Wer war Anton Janša?

Ein slowenischer Bienenzüchter (1734–1773) aus Krain, den Kaiserin Maria Theresia 1770 per Hofdekret zum ersten Lehrer der neu gegründeten Theresianischen Imkerschule in Wien ernannte.

Warum wird der Weltbienentag am 20. Mai gefeiert?

Weil der 20. Mai Anton Janšas Geburtstag ist; Slowenien schlug das Datum bewusst als Hommage an seine historische Bedeutung für die moderne Bienenzucht-Lehre vor.

Wann erkannte die UNO den Weltbienentag offiziell an?

Am 20. Dezember 2017 durch die UN-Generalversammlung; die erste offizielle Begehung fand 2018 statt.

Wie heißt Janšas Lehrbuch, und wann erschien es?

“Hinterlassene vollständige Lehre von der Bienenzucht”, veröffentlicht 1775 in Wien durch seinen Nachfolger Joseph Münzberg, zwei Jahre nach Janšas Tod.

Welche Verbindung besteht zwischen Janša und der Carnica-Biene?

Seine Heimatregion Krain gab der Carnica-Biene ihren Namen, der heute in Deutschland, Österreich und der Schweiz am weitesten verbreiteten Bienenrasse; er selbst hat sie nicht gezüchtet, arbeitete aber praktisch mit den Bienen ebendieser Region.

Wo genau befand sich die Theresianische Imkerschule?

Im Wiener Augarten; sie wurde 1769 gegründet und bestand bis zu ihrer Auflösung 1781 unter Kaiser Joseph II.

Wie alt wurde Anton Janša?

Er starb 1773 im Alter von 39 Jahren, nur wenige Jahre nach seiner Berufung an den Wiener Hof.

Konzentriert sich der Weltbienentag ausschließlich auf Honigbienen?

Nein, die UN-Resolution rahmt den Tag bewusst um Bestäuber im weiteren Sinne, einschließlich Wild- und Solitärbienen, als Frage der Ernährungssicherheit und biologischen Vielfalt.

FAQ

Wer war Anton Janša?

Ein slowenischer Bienenzüchter, ab 1770 erster kaiserlicher Lehrer der Bienenzucht in Wien.

Warum der 20. Mai?

Es ist Janšas Geburtstag, gewählt als Hommage an seine Bedeutung für die Bienenzucht-Lehre.

Wann erkannte die UNO den Tag an?

Am 20. Dezember 2017, erste Feier 2018.

Wie heißt sein Lehrbuch?

“Hinterlassene vollständige Lehre von der Bienenzucht”, 1775 posthum veröffentlicht.

Verbindung zur Carnica-Biene?

Seine Heimat Krain gab der heute meistgehaltenen Bienenrasse in DACH-Ländern ihren Namen.

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